Tobi

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Hallo ihr lieben,

ich wollte euch mal aus meinem neuen Zuhause berichten und wie es mir in der letzten Zeit so ergangen ist.
4 Ganze Monate saß ich bei euch. Ein stattlicher Dobermannbub, der es wohl vorher nicht so gut gehabt hat. Ursprünglich sollte ich ja nur auf eine Pflegestelle weil es mir im Tierheim als Sensiblechen nicht so wrklich gut ging. Das alles ganz anders kam, wurde ja leider schon nach einer Woche klar.  Nu bleibe ich ganz hier bei "Herrchen" und "Frauchen" worüber ich selber natürlich nicht wirklich böse bin. Jetzt so langsam nach ein paar Wochen (ist ja jetzt schon fast ein ganzer Monat) fange ich immer mehr an, meinen Menschen zu Vertrauen und habe mein komplettes Verhalten um 180 Grad gedreht, Leute ihr würdet mich nicht wiedererkennen.
Ich bin das perfekte Beispiel dafür, das manche Menschen es sich wirklich gut überlegen sollten sich einen Hund anzuschaffen.
Ich muss leider eingestehen, das es mit mir wirklich nicht so einfach ist. Leider neige ich zu Übersprungshandlungen in Stresssituationen und beiße mich mitunter auch mal selber. Hier wird an mir gearbeitet und mittlerweile beiße ich  lieber in meinen Kauknochen als in mich. In Stresssituationen verkrieche ich mich lieber hinter meinen Futternapffüllern, die Regeln alles weitere für mich. Nur andere Hunde, die mag ich nach wie vor nicht. Ich weiß das hier noch welche im Haus sind, die durfte ich aber bisher noch nicht sehen. Die Futternapffüller meinten, das ich dazu noch etwas mehr lernen muss. Pfff, bin doch nicht doof, ich schaff das schon.
Mittlerweile hab ich auch schon gelernt wozu diese komischen Dinger namens Spielzeug da sind und was man damit machen kann. Einfach nur auf der Wiese liegen und Bällchen umherschleudern find ich richtig gut. Kann man sich nicht vorstellen, wo ich doch vor dem ersten Ball den ich hier gesehen habe zitternt mich hinter dem weiblichen Zweibein verkrochen habe. Aber Psssst, nicht verraten, bin ja eigendlich ein großer Junge
.
Draußen wenn wir mal unterwegs sind, lern ich auch immer mehr kennen. so schlimm sind Wald und Wiesen Bäche nicht, habe gelernt, sie fressen nicht meine Füße wenn ich da mal durchtapse.
Neben dem Farrad herlaufen find ich auch spitze, da kann ich wenigstens zeigen wie schnell ich bin und das am besten Stundenlang.

Zuhause bin ich dann das reinste Schmusetier und bewache auch das Haus. Besucher kann ich drauf verzichten, habe aber gelernt das sie mir nichts böses tun und Ignoriere sie daher.
Einen neuen Fan hab ich auch schon, morgends beim Brötchenwagen das Zweibein, sie schiebt mir immer ein Stückchen Hühnchenfleisch rüber über die Tecke nach dem ersten Morgendlichen Gassigang. Fressen mag ich ja. Hab auch schon ein wenig zugenommen (auch an Muskelmasse) 

Musste leider auch schon zu diesem komischen Weißkittel namens Tierarzt. Habe mir den Magen verkorkst, aber richtig. Im Garten als ich die Pflaumen unbemerkt aus dem Gebüsch stibitzt habe, muss wohl etwas bei gewesen sein was mir nicht so doll bekommen ist, hatte mächtig Bauchweh.  (Anmerkung von Frauchen: Dobis= lebende Staubsauger, Pflaumen absolut ungesund, vorallem mit Kernen) habe dann einen Pieks bekommen und Lecker Schonkost. Nach 2 Tagen ging es mir wieder besser, nur Pflaumen find ich hier jetzt nicht mehr mmpffff.

So, das war es erstmal von mir, nun übergebe ich mal wieder meinem weiblichen Zweibein:

Hallo liebe Tierheimmitarbeiter,

nun melde ich mich mal wieder selber. Wir möchten uns ganz Herzlich bei euch bedanken! Vorallem für die Geduld die bei dem Tobi erforderlich war und für die Entscheidung das er bei uns leben darf  und somit eine zweite Chance bekommen hat !

Er ist wirklich nicht gerade einfach, aber für uns mittlerweile sehr gut zu händeln, auch wenn wir uns ganz derbe umstellen mussten, er ist einfach kein "gewöhnlicher" Hund. Wenn ich an die ersten Tage denke, nachdem wir uns entschlossen hatten ihn hier zu behalten weil eine Vermittlung bei ihm wirklich keinen Sinn mehr macht, wird uns heute noch schlecht.
Bei uns kam ein Hund an, der zu heftigen Übersprungshandlungen tendierte. Er war völlig durch den Wind und wusste Zeitweise nicht mehr was er tat. Erst nach ein paar Tagen hier begriff er auch das er wirklich ankommen durfte. Geschirr anziehen war für ihn eine Straftat. Ebenso vieles andere was normalerweise bei anderen Hunden selbstverständlich ist.  Auch heute noch kommt es vor das sich dieser stattliche Rüde bei irgendwelchen Gelegenheiten einfach auf den Boden schmeißt und sich vor lauter Angst einpillert (auch wenn es immer seltener passiert) Er lernt langsam Vertrauen aufzubauen, auch wenn es immer nur kleine Schritte sind, so merken wir so langsam das sich große Vortschritte zeigen. Bei Gelegenheit werden wir zu einem Hundetrainer ins Munsterland fahren, wir erhoffen uns dadurch noch mehr Klarheit, wie wir diesem Hund für die Zukunft helfen können.
Wir bedauern es sehr, das die Rasse Dobermann immer wieder unterschätzt wird. Klar es ist eine Rasse die sehr gut aussieht, es ist aber kein Typischer Familienhund, der mal eben so nebenher laufen kann. Er muss beschäftigt und ausgelastet werden, er muss was kenenlernen , er brauch eine Aufgabe und Arbeit. Und das wichtigste, er brauch eine Konsequente aben auch liebevolle Erziehung.

Unser Tobi scheint all das vorher nicht gehabt zu haben und ist leider zu einem Schreckgespenst mutiert.Aus seinem Verhalten kann man, leider nur erahnen was er durchgemacht hat.  Ich möchte jetzt keine Leute abschrecken, die Rasse Dobermann ist absolut Klasse, Vorraussetzung (wie bei anderen Rassen-Mischungen auch) man beschäftigt sich damit. Er ist das perfekte Beispiel für den Satz: Es gibt keine schlechten Hunde, es gibt nur schlechte Menschen!
Dieser Hund wird sein Leben lang mit Einschränkungen vorlieb nehmen müssen, er wird nie ausgelassen frei ohne Leine laufen dürfen, er wird es nie erleben dürfen einfach mal mit fremden Hunden über die Wiese toben zu können und noch vieles mehr. Wäre er von Anfang an Rasse/Hundegerecht behandelt worden, so hätte dieser Hund diese Einschränkungen nicht.

Bei uns wo er sein "wahres" Gesicht zeigt, wird er so genommen wie er eben ist. Er ist unglaublich verschmusst, sehr aktiv, ein Kleiner Kobold auf 4 Pfoten und einfach nur toll ! Der vorher vermutliche Frauenhund ist absolut Männderbezogen und tut für sein Herrchen einfach alles. Er lernt sehr gerne und auch gut, kann sich sehr gut an Regeln halten und ist einfach ein Traum, auch wenn wir noch am Anfang stehen mit der Arbeit die noch auf uns zu kommt, so bereuen wir es keine Sekunde diesem Hund ein Zuhause gegeben zu haben. Auch wenn kein weiterer Hund als unsere bereits vorhandenen 2 geplant war.
Ich bewundere die Leute die im Tierschutz /Tierheim arbeiten. Nicht jeder Hund ist so schwer wie "unserer" (er ist wohl eher die Ausnahme) , aber jeder einzelne dieser Hunde hat es einfach verdient eine neue Chance zu bekommen. Für uns hat dieser Hund auch bewirkt, das wir uns noch klarer geworden sind bei dem Gedanken Tierschutzhund, jederzeit wieder!

liebe Grüße  von "Dobi-Tobi" und Anhang

 

August 2010